Warum wir „Der Verlag mit dem Drachen“ heißen

Im März 2020 dachten wir nicht an Drachen. Vielmehr beschäftigten uns abgesagte Proben, eine leere Bühne und Kinder, die plötzlich nicht mehr gemeinsam singen und Theater spielen durften. Unser Musical-Verein „Rabatz in Büchig“ stand still.

Unser Laut, Bunt und Lebendig gab es von einem Tag auf den anderen nicht mehr. Plötzlich war es still und leise. Doch wir wollten nicht, dass die Stimmen der Kinder leiser werden.

Also begannen wir zu schreiben.

Wie aus der Krise ein Kinderbuchverlag wurde

So entstand unsere erste Wandergeschichte „Lavandos – Eine Reise ins Ungewisse“. Was als einmaliges Projekt gedacht war, begann schnell, zu etwas ganz Besonderem zu werden.

Den Anfang schrieb ich – ein kleines Kapitel, das die Richtung offenließ. Dann fragte ich die 40 Kinder, die eigentlich mit uns auf der Bühne stehen wollten, ob sie Lust hätten, eine*r nach der/dem anderen daraus eine Geschichte wachsen zu lassen.

Die Kinder waren Feuer und Flamme und schrieben und schrieben. Sie begeisterten Freunde außerhalb unserer Musicaltruppe. Und plötzlich entstand etwas, das wir vom Musical kannten: Verbindung. Nur diesmal nicht auf der Bühne, sondern auf Papier.

Einer meiner bewegendsten Momente war der Satz eines fast zweijährigen Geschwisterkindes: „Victor bekommt einen Bagger zu seinem Geburtstag.“

Inzwischen war unsere Geschichte längst im Bereich Fantasy angekommen. Victor war ein elfjähriger Elf. Ein Bagger passte da eigentlich nicht hinein. Beim Lektorieren war es eine kleine Herausforderung, diesen Gedanken genauso stehen zu lassen. Doch genau das war mir wichtig. Alles durfte bleiben, was die Kinder eingebracht hatten. Auch ein Bagger im Elfenwald.

Ursprünglich sollte aus dieser Geschichte kein Buch entstehen. Doch ich konnte diese Fantasie nicht einfach per E-Mail verschicken. Sie musste hinaus in die Welt.

Nur zwei Monate später folgte unser erstes Adventskalender-Buch – von Kindern für Kinder. Jeden Tag ein neues Kapitel, geschrieben von jungen Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Orten. Für viele war es das erste Mal, dass ihre Worte gedruckt wurden. Und das Leuchten in ihren Augen war das gleiche wie nach einer gelungenen Aufführung.

Uns wurde klar: Schreiben kann genauso stärken wie Singen. Geschichten können genauso verbinden wie Applaus.

Und so gründeten wir KiWaBu – zunächst als „Glücklichverlag“.

Warum zuerst „Glücklich-Verlag“?

Der Name war für mich mehr als eine Idee. Er war ein Gefühl.

In all den Jahren im Musicalbereich habe ich immer wieder erlebt, wie Kinder aufblühen, wenn sie gesehen werden. Die Theaterarbeit bietet viele Möglichkeiten, sich einzubringen. Bei „Rabatz in Büchig“ konnten die Kinder sich dort positionieren, wo sie sich selbst sahen: im Chor, als „Rampensau“ auf der Bühne, mit einer Minirolle oder als Statist, als Ideenbringer für Bühnenbild und Kostüme und sogar im Technikbereich.

Szene aus „Ritter Rost geht zur Schule“

Ihr Beitrag war nicht nur „nett“, sondern wichtig. Und in genau diesen Momenten entsteht etwas, das man kaum in Worte fassen kann: ein tiefes, echtes Glück. Dieses Glück wollte ich in unserem Namen tragen.

Denn Kinder sind nicht glücklich, weil alles perfekt ist. Sie sind glücklich, wenn sie ernst genommen werden. Sie lieben es, ihre Fantasie und Ideen einzubringen. Und sie sind stolz auf sich, wenn ihre Ideen zählen und ihre Gedanken hinaus in die Welt dürfen.

Unsere Buchprojekte zeigten uns schnell, dass auch Schreiben genau das bewirken kann. Es stärkt und verbindet. Es lässt Kinder leise und kraftvoll zugleich wachsen.

Doch während wir weiterarbeiteten, fiel mir etwas auf. In fast jeder Geschichte tauchte ein Drache auf.

Und dann kamen die Drachen

Zuerst gab ich dem Ganzen noch keine große Bedeutung. Im ersten Kinderwanderbuch „Lavandos“ hatte ein Drache eine Nebenrolle. Und in anderen Buchprojekten folgten weitere. Mal waren sie gefährlich, mal frech oder stark, und manchmal beschützten sie. Sie konnten fliegen, Feuer speien oder einfach nur Wunder bewirken.

Die Drachen schlichen sich in die Geschichten der Kinder, ohne dass wir sie bewusst gerufen hätten.

Je mehr wir lasen, desto klarer wurde uns: Drachen sind für Kinder mehr als Fantasiewesen. Sie sind Figuren, mit denen sie die gesamte Gefühls- und Abenteuerpalette ausdrücken können. Mut, Angst, Stärke, Wut oder Freundschaft: Das alles darf in einem Drachen wohnen.

Als dann das Buch „Der kleine freche Drache und seine Abenteuer“ von Silvia Mara Fiege, illustriert von Karina Siohl, in unserem damaligen Glücklich-Verlag erschien, war der Drache nicht mehr nur ein wiederkehrendes Motiv. Er war plötzlich sichtbar und greifbar. Dieser kleine freche Drache eroberte die Herzen der Kinder im Sturm.

Und in diesem Moment wusste ich, dass Drachen nicht nur in die Geschichten der Kinder gehören. Sie gehören auch in unseren Namen.

Was als Figur in einem Buch begann, wurde schließlich zu einer bewussten Entscheidung. Denn der kleine freche Drache war längst zum Liebling vieler Kinder und Erwachsener geworden. Er tauchte in Gesprächen auf, schmückte Postkarten und Babybodys, bekam eine Mini-Hörgeschichte und wurde sogar zum Häkeltier mit eigener Anleitung. Aus einer Buchfigur war ein Begleiter geworden.

Gleichzeitig begegneten uns in unseren Kinderwanderbüchern und Schulprojekten immer wieder Drachen in unterschiedlichsten Formen. Die Verbindung war nicht mehr zu übersehen. Uns wurde klar: Wenn Drachen so selbstverständlich Teil unserer Geschichten sind, dann dürfen sie auch Teil unserer Marke sein. „Der Verlag mit dem Drachen“ war geboren.

2023 riefen wir dazu auf, unserem Chamäleon-Drachen einen Namen zu geben. Viele Vorschläge gingen ein. Es wurde abgestimmt, diskutiert und gelacht. Und schließlich stand er fest: Flax.

Mit diesem Schritt wurde aus einer beliebten Figur ein bewusstes Zeichen.

2025 erhielt Flax ein eigenes offizielles Design von Martina Wagner und wurde in unser Logo integriert. Mit unserem Schriftzug in der Hand und offenem Blick steht er seitdem sichtbar für das, was uns ausmacht: Fantasie, Mitmach-Mut und die Überzeugung, dass Kinderstimmen gehört werden sollen.

Flax ist kein Zufall im Logo. Er ist Ausdruck unserer Haltung.

Unser offizielles Verlagslogo seit 2025

Was „Der Verlag mit dem Drachen“ bedeutet

Wenn wir heute „Der Verlag mit dem Drachen“ sagen, dann meinen wir nicht nur eine Figur im Logo. Wir laden ein.

Wir möchten Kinder dazu einladen, mutig zu sein, indem sie ihre Gedanken aufschreiben. Wir wünschen uns, dass sie groß träumen und auch ihre wilden, schrägen oder leisen Ideen ernst nehmen.

Unser Drache steht für Stärke und Fantasie, ebenso wie für Abenteuer und Zuhören. Er erinnert uns daran, dass Geschichten innere Räume öffnen können. Es gibt Gedanken und Gefühle, die sich besser in Geschichten ausdrücken lassen als im realen Leben. Das erleben wir so oft.

Flax öffnet Räume, in denen Kinder wachsen dürfen und in denen ihre Stimmen Gewicht haben. Sie erleben, dass ihre Worte zählen.

Wenn Eltern unseren Namen hören, dürfen sie wissen, dass es hier nicht nur um Bücher geht. Hier geht es um Entwicklung und Selbstvertrauen. Ebenso um Gemeinschaft und den Mut zur Individualität.

Und wenn Schulen mit uns arbeiten, dürfen sie spüren, dass Kreativität hier nicht bewertet, sondern begleitet wird.

Der Drache ist deshalb kein Marketingbild. Er ist ein Versprechen, dass Kinder mit ihren Geschichten nicht allein bleiben.

KiWaBu – das Kinderwanderbuch

KiWaBu steht für „Kinderwanderbuch“.

Die Idee dahinter ist so einfach wie kraftvoll: Kinder aus verschiedenen Orten schreiben gemeinsam an einer Geschichte. Kapitel für Kapitel, oder auch Absatz für Absatz, wandert das Manuskript weiter. Jede Stimme baut auf der vorherigen auf. Jede Idee darf eine neue Richtung einschlagen.

Wie lebendig dieses Prinzip sein kann, zeigte sich schon in unserem ersten Kinderwanderbuch „Lavandos – Eine Reise ins Ungewisse“. Schrieb ein Junge über eine plötzlich auftauchende, gefährliche Hydra, ließ die nachfolgende junge Autorin sie kurzerhand zahm werden.

Nun hieß es für Marie und mich: Köpfe abschlagen! …

…Wie ich Gewalt doch hasste! Und doch blieb mir nichts anderes übrig. Gab es wirklich keine andere Möglichkeit, die Hydra zu bezwingen? Vor lauter Angst fing ich an, leise vor mich hinzusingen. Das erste, was mir einfiel, war ein Lied aus der Grundschule.
„Ingi-dingi-dingi, use-wuse-wuse, saba-daba-daba, dei“
Die Hydra-Enkelin blieb plötzlich wie angewurzelt stehen.

Lesebeispiel aus „Lavandos – Eine Reise ins Ungewisse“ zur Veranschaulichung

Was hier geschieht, ist mehr als Fantasie. Kinder reagieren aufeinander. Sie greifen Gedanken auf, verändern sie, widersprechen oder erweitern. So entstehen gemeinsam neue Wege.

Unsere Programme sind so gestaltet, dass sie von zu Hause aus oder im Klassenverband gut umsetzbar sind. Lehrkräfte können die Projekte flexibel in ihren Unterricht integrieren. Eltern erleben, wie ihre Kinder mit Begeisterung schreiben. Denn sie müssen nicht, weil sie müssen, sondern weil sie Teil von etwas Größerem sind.

Was dabei entsteht, ist mehr als ein Buch. Es entsteht Verbindung zwischen Kindern, die sich vielleicht nie begegnen. Fantasie berührt eventuell die Realität der Kinder. Und Mut wächst, wenn Gedanken ausgesprochen und aufgeschrieben werden dürfen. Kinder erfahren: Meine Worte stehen neben denen anderer. Ich bin Teil eines gemeinsamen Werkes. Ich darf beitragen.

Und genau hier schließt sich der Kreis zum Drachen.

Denn wie ein Drache, der fliegen lernt, wachsen auch Kinder, wenn man ihnen Gelegenheit gibt. Wenn man ihnen zutraut, dass ihre Gedanken wertvoll sind, und auch, wenn es in erster Linie nicht darum geht, keine Fehler zu machen.

„Der Verlag mit dem Drachen“ ist deshalb kein Ort, an dem perfekte Texte entstehen müssen. Er ist ein Ort, an dem Kinder ihre drachenstarken Ideen entfalten dürfen. Wer mitmacht, schreibt nicht nur, sondern wächst ein Stück über sich hinaus.

Fazit – und eine Einladung

Im März 2020 dachten wir nicht an Drachen. Wir wollten nur, dass Kinderstimmen nicht leiser werden.

Heute trägt unser Verlag einen Drachen im Namen. Nicht, weil Drachen schön aussehen. Sondern weil sie für das stehen, was wir täglich erleben:

Kinder wachsen, wenn man ihnen Möglichkeiten gibt.

Wenn du als Elternteil erleben möchtest, wie dein Kind über sich hinauswächst, oder
wenn du als Lehrkraft kreative Schreibprojekte suchst, die Gemeinschaft stärken, oder
wenn du einfach neugierig geworden bist,

dann laden wir dich ein, durch unsere Projekte zu stöbern und Teil unserer drachenstarken Reise zu werden.

Zu unseren aktuellen Projekten

2 Kommentare

  1. Was für eine interessante Geschichte, wie euer Name bzw. euer Verlag entstanden ist. Flax ist eine tolle Figur, die eure Haltung widerspiegelt. Ich wünsche euch noch ganz viele Kinder, die von eurer Haltung und eurem KiWaBu profitieren können.

    1. Liebe Anette,
      hab vielen Dank für deine lieben Worte. Es freut mich sehr, dass dich die Geschichte hinter unserem Namen berührt hat – sie ist tatsächlich ganz eng mit unserer Haltung verbunden.
      Und ja, Flax ist für mich mehr als eine Figur. Er erinnert immer wieder daran, worum es wirklich geht.
      Dein Wunsch für viele weitere Kinder, die von KiWaBu profitieren, bedeutet mir sehr viel. Danke dir von Herzen.

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